Case Study Sophie: Bleiben oder gehen? Jobentscheidung im Coaching

Sophie hadert schon länger mit ihrem Job. Als sie zeitgleich eine neue interne und eine externe Stelle in Aussicht hat, kommt sie ins Coaching. Sie hat schon alles durchdacht und kommt trotzdem zu keiner Entscheidung.

Kati Legge, systemische Coachin, sitzt nachdenklich in ihrem Coaching-Container am Bahnwärter Thiel in München

Kati Legge

Systemische Coachin in München und online. Seit fast zehn Jahren begleite ich Frauen dabei, Klarheit zu gewinnen und ihren eigenen Weg zu gestalten. In meinen Coachings verbinde ich Tiefe mit Leichtigkeit und arbeite mit kreativen, erlebnisorientierten Methoden.

Kategorie

Case Study

Thema

Berufliche Entscheidungsfindung

Jahr

Sitzungen

1

Methoden

Figurenarbeit, Wertearbeit, Somatische Marker, Zukunftsarbeit

Ausgangslage

Sophie* arbeitet seit dreieinhalb Jahren als Agile Coach in einem Unternehmen in München, immer in der gleichen Rolle, in wechselnden Teams. Den Zweifel an ihrer Tätigkeit kennt sie fast von Anfang an. Nun stehen zwei Optionen gleichzeitig im Raum: eine neue interne Rolle mit mehr konzeptionellem Schwerpunkt. Und ein Traumjob bei einem Unternehmen, das die Mobilität der Zukunft gestaltet - mit einem spannendem Team, aber auch mehr Stunden und weniger Flexibilität. Eine Entscheidung muss bald fallen.

Anliegen

Bleiben oder gehen? Wie treffe ich eine Entscheidung, die sich stimmig anfühlt?

Kati Legge, systemische Coachin in München, in einem Coaching-Gespräch
Abstrakte Figuren auf einem Sessel, genutzt für Aufstellungsarbeit im Coaching
Bunte Post-It-Karten mit Werten für die Entscheidungsarbeit im Coaching

Sophie hatte keine fehlenden Informationen. Sie hatte zu viele. Pro-Contra-Listen, Gespräche mit Freund:innen, Kolleg:innen, Menschen in ihrem Unternehmen. Alle hatten Meinungen, alle fanden irgendetwas gut. Die Entscheidung trug sie seit längerem mit sich. Mehr Argumente würden nichts mehr verändern.

Figurenarbeit

Um die Optionen jenseits von Pro-Contra-Listen zugänglich zu machen, arbeiteten wir mit einer Sammlung abstrakter Figuren. Sophie griff für jede Option intuitiv nach einer Figur. Die Figuren liegen in der Hand, sie haben Gewicht, Form, eine Wirkung. Allein das Wählen, Halten und Benennen bringt eine andere Art von Wissen ans Licht als rationales Abwägen.

Für den externen Job - die Stelle im Bereich Mobilität der Zukunft - wählte sie eine große, auffällige Figur mit orangefarbenem Muster, das sie an einen Stadtplan erinnerte. Mutig, ein bisschen spitz, ein Expertinnen-Weg mit vielen Optionen. Aber auch Unsicherheit.

„Vielleicht müsste ich mal in die Entscheidung reinfühlen.”

Für die interne Option entschied Sophie sich ebenfalls für eine große Figur: unauffällig, wie ein Leuchtturm, vorhersehbar, unaufgeregt, sicher. Ein bisschen langweilig. Als sie diese Figur beschrieb, veränderte sich ihre Stimme: ruhiger, weniger lebendig.

Für ein ehrenamtliches Projekt, das sie mitaufgebaut hat und leitet, wählte sie die kleinste Figur mit einem Spiegel. Ihr Joker, sagte sie. Der Ort, wo sie macht, was sie will, mit wem sie will, in ihrem Tempo.

Dann durfte jede Figur die eigene Option pitchen und Sophie konnte kritisch nachfragen. Was sichtbar wurde: Die externe Option erzeugte Energie und Skepsis gleichzeitig. Ist das wirklich so, oder mehr Schein als Sein? Die interne Option hatte mehr Fragezeichen und brachte weniger Begeisterung.

Bodenkarten für die Arbeit mit somatischen Markern im Coaching

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Wertearbeit

Im nächsten Schritt schauten wir auf die Werte hinter beiden Optionen. Welche Werte stehen für Option A, zu bleiben? Sophie nannte: Sicherheit, Flexibilität, Konstanz, Luxus, wenig Drang zur Veränderung.

Was steht für Option B, zu gehen? Mut, Offenheit, Abenteuer, Unbekanntheit, Sehnsucht.

Dann die entscheidende Frage: Welcher Mensch willst du sein? Sophie antwortete sofort. Der Mensch auf der Seite von Option B - der Mensch, der geht. Nicht wegen der besseren Argumente, sondern wegen der Werte dahinter.

Und dann erkannte sie etwas Wesentliches: Diese Werte lebt sie bereits, in ihrem ehrenamtlichen Projekt, das sie neben dem Job aufbaut. Sie braucht Mut und Abenteuer nicht zwingend aus der Erwerbstätigkeit. Sie können auch außerhalb davon ihren Platz haben.

„Die entscheidende Frage: Welcher Mensch willst du sein?”

Somatische Marker und Entscheidungsmoment

Um die intuitive Reaktion auf beide Optionen spürbar zu machen, arbeiteten wir mit somatischen Markern: Wie stark ist das positive Gefühl auf einer Skala von 1-100, wenn du an diese Option denkst? Wie stark das negative?

  • Externe Option: positives Gefühl 45, negatives Gefühl 60.

  • Interne Option: positives Gefühl 50, negatives Gefühl 30.

Wir erkundeten, was sich verändern müsste, damit die Entscheidung klarer wäre, und wie realistisch das ist. Bei der externen Option lagen viele Unsicherheiten außerhalb von Sophies Einfluss. Intern zeigten sich Gestaltungsspielräume auf, die Sophie näher erkunden wollte.

Am Ende stellte ich Sophie eine kurze Wunderfrage: „Stell dir vor, du wachst morgen auf und hast die Zusage. Was tust du?“ Die Antwort war schnell: „Oh Nein, ich muss jetzt eine Entscheidung treffen." Und wenn sie sofort antworten müsste: „Ich würde Nein sagen."

Stift und Papier auf einem Tisch im Coaching-Raum
Runde Zettel mit Zahlen von eins bis zehn für die Skalierungsarbeit im Coaching

Die Entscheidung

Sophie entschied sich in der Woche nach dem Coaching, in ihrem Unternehmen zu bleiben und die neue interne Stelle anzutreten. In der Folgesitzung berichtete sie, dass die Entscheidung sich ab dem Tag des Coachings klar angefühlt hatte. Der Abschied vom alten Team fiel leicht. Der Wechsel war überfällig.

Zusammenfassung und Ausblick

Das Coaching mit Sophie zeigt, was passiert, wenn man aufhört, Argumente zu sammeln - und anfängt, auf einer anderen Ebene hinzuschauen. Die entscheidende Verschiebung war die Frage nach den Werten: Welcher Mensch will ich sein? Und die Erkenntnis, dass Mut, Abenteuer und Sehnsucht nicht aus der Erwerbsarbeit kommen müssen, wenn sie in anderen Teilen des Lebens bereits gelebt werden.

Das Coaching hat auch sichtbar gemacht, was als Nächstes wartet: Sophie trägt viele Ideen und Projekte mit sich, die noch keinen klaren Platz haben. Wie gestalte ich das, was mir außerhalb des Jobs Energie gibt? Wer bin ich dabei und wie will ich das entwickeln? Das sind die Fragen, mit denen das Coaching weitergeht.

 *Diese Case Study teile ich mit dem Einverständnis meiner Coachee - nur ihr Name wurde geändert.

Einblicke in meine Coaching-Praxis

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