Case Study Claudia: Im Konflikt bei sich bleiben, trotz Verlust und Überforderung

Claudia steht ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes mitten in einer Umbruchphase. Ein anhaltender Erbschaftskonflikt kostet sie viel Kraft. Sie kommt ins Coaching mit dem Wunsch, endlich zur Ruhe zu kommen.

Hände mit Murmeln vor einem Fenster

Kati Legge

Systemische Coachin in München und online. Seit fast zehn Jahren begleite ich Frauen dabei, Klarheit zu gewinnen und ihren eigenen Weg zu gestalten. In meinen Coachings verbinde ich Tiefe mit Leichtigkeit und arbeite mit kreativen, erlebnisorientierten Methoden.

Kategorie

Case Study

Thema

Konflikte & Grenzen

Jahr

2025/2026

Sitzungen

5

Methoden

Strukturarbeit, Körperarbeit, Gewaltfreie Kommunikation, Zukunftsarbeit

Ausgangslage

Claudia* ist Heilpraktikerin in München und steht ein Jahr nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes mitten in einer tiefgreifenden Umbruchphase. Seitdem ist sie mit vielen organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Themen konfrontiert. Besonders belastend ist ein anhaltender Erbschaftskonflikt mit dem Bruder ihres verstorbenen Mannes. In diesem Konflikt erlebt sie sich oft als starr, manchmal wütend, selten handlungsfähig. Ihr Leben beschreibt sie als atemlos, unter hohem innerem Druck.

Anliegen

Wie bleibe ich im Konflikt bei mir und setze klare Grenzen?

Figuren aus Holz für die Aufstellungsarbeit im Coaching
Bodenkarten für die Coaching-Übung liegende Acht

Claudia beschrieb ihren Alltag zu Beginn als atemlos. Ein Konflikt, der immer wieder alles überlagerte, wenig Raum für Trauer, kaum Zeit für sich. Das systemische Coaching bot ihr einen Rahmen, um genau das zu erkunden. Es erlaubte Claudia, zu verstehen, was sie an der Ruhe hindert, was in ihr passiert, wenn der Konflikt sie einholt - und was ihre eigenen Bedürfnisse sind.

Strukturarbeit

Ein erster Schritt war es, die Vielzahl der gleichzeitig präsenten Themen sichtbar zu machen und zu sortieren. Gemeinsam arbeiteten wir heraus, dass sich Claudias Wunsch nach Freiheit auf unterschiedliche Ebenen bezieht: Eine Freiheit von Verpflichtungen und Konflikten. Und eine Freiheit hin zu der Gestaltung ihres neuen Lebensabschnitts. Die Visualisierung dieser „Stufen der Freiheit" machte deutlich, dass Entlastung schrittweise entstehen kann und nicht an das vollständige Abschließen aller Themen gebunden ist. Äußerer Überblick ist oft die Voraussetzung dafür, dass innere Klarheit überhaupt entstehen kann. Am Ende der ersten Sitzung beschrieb Claudia ihr Erleben als leichter und sortierter.

„Ich kam von der gefühlten Ohnmacht zurück ins konkrete Handeln.”

Körperarbeit und Grenzen setzen

Ein weiterer Teil unserer gemeinsamen Arbeit galt der Frage, was in Claudia körperlich passiert, wenn der Konflikt sie einholt. Wo spürt sie es? Was löst es aus? Claudia hat einen sehr guten Zugang zu ihrem Körper. Im Coaching lernte sie nun, diese Signale nicht nur wahrzunehmen, sondern ihnen auch zu trauen.

Wir schauten genauer hin: Was passiert in ihr, wenn der Konflikt eskaliert? Die Starre, die Claudia in diesen Momenten erlebt, wirkt nach außen wie eine Blockade. Von innen ist sie aber Schutz. Das zu verstehen, verändert den Umgang mit dieser zentralen Empfindung.

Basierend darauf entstand ein inneres Schutzbild, das Claudia aus sich selbst heraus entwickelte. Es ermöglicht ihr, in schwierigen Begegnungen innerlich Abstand zu halten und trotzdem auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ergänzend erarbeiteten wir drei Kernsätze, die Claudia als sichtbare Erinnerung im Alltag verankerte.

Bodenkarten zur Visualisierung der eigenen Ressourcen im Coaching

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Bedürfnisklärung und Gewaltfreie Kommunikation

Parallel dazu arbeiteten wir daran, was Claudia im Konflikt eigentlich braucht und wie sie das klar benennen kann: zuerst für sich selbst, dann auch nach außen. Die Bedürfnisklärung gab ihr ein konkretes inneres Gerüst, um in zukünftigen Gesprächen bei sich zu bleiben. Grenzformulierungen nach einem klaren Dreisatz-Schema erlebte sie als handhabbares Sprach-Werkzeug, klar und ohne Angriff.

Ein echter Wendepunkt war die Entdeckung, dass Claudia im Konflikt oft schon die Antwort des anderen vorwegnimmt, bevor sie ihre eigene Wahrheit überhaupt ausgesprochen hat. Das hinderte sie bisher daran, ihre Bedürfnisse klar zu kommunizieren. Diese neue Erkenntnis gibt ihr die Möglichkeit, für sich einzustehen - unabhängig davon, wie ihr Gegenüber reagiert.

Mit der Gewaltfreien Kommunikation fand sie ein Werkzeug, das ihr hilft, in schwierigen Gesprächen bei sich zu bleiben. Die vier Schritte übten wir körperlich mit Bodenankern, damit sie nicht nur verstanden, sondern erfahren werden konnten.

Einen weiteren hilfreichen Perspektivwechsel brachte der systemische Blick auf den Konflikt. Die Klarheit, dass der eigentliche Kern des Konflikts ebenfalls ein Teil des Erbes ist und außerhalb ihrer Verantwortung liegt, ermöglichte ihr, aus dem Zentrum

„Kati hat mir mit ihrer klaren und zugewandten Art sehr in meiner existenziellen Krise geholfen.”

Zukunftsarbeit

Gegen Ende des Coaching-Prozesses haben wir mit der systemischen Methode der Wunderfrage gearbeitet. Statt weiterer Konfliktarbeit stand im Mittelpunkt: Wie sieht ein Tag aus, an dem das, was Claudia sich wünscht, Wirklichkeit ist? Was ist anders? Was macht sie?

Die Antworten kamen schnell und waren sehr konkret: Gemeinschaft. Ein großer Garten. Menschen, mit denen sie lacht. Das Schlüsselwort, das immer wieder auftauchte: Freude. Claudia hatte die Augen die ganze Zeit geschlossen und ihr Bild entfaltete sich mit einer Klarheit und Lebendigkeit, die sie selbst überraschte. Die schon in vorherigen Sessions geäußerte Idee einer anderen Form des Wohnens wurde in ihrer Zukunftsvision erlebbar.

Sie reflektierte: „Einfach so leicht kann es sein." Und: „Ich wäre gar nicht so weit weg." Claudia macht bereits erste konkrete Erkundungsschritte in Richtung dieses Bildes.

Kati Legge, systemische Coachin, sitzend in ihrem Coaching-Raum in München
Kati Legge legt Coaching-Gefühlskarten auf dem Boden

Das Ergebnis

Claudia hat im Verlauf des Coachings verstanden, was in ihr passiert, wenn der Konflikt eskaliert, was sie wirklich braucht und wie sie das klar kommunizieren kann. Und sie hat einen Blick auf das gewonnen, was nach dem Schweren wartet. Mitten im Prozess sagte sie: „Der dicke Klotz ist weg." Eine Jahresreflexion brachte eine weitere wichtige Erkenntnis: Claudia hat gelernt, allein zu leben - und das wirklich gut. Beides trägt sie.

Zusammenfassung und Ausblick

Das Coaching mit Claudia zeigt, was möglich wird, wenn in einer Phase des Verlusts und der Überforderung ein strukturierter, menschlicher Raum entsteht. Für Claudia war das ein Prozess in mehreren Schichten: Überblick schaffen, körperliche Signale ernst nehmen, Bedürfnisse klären, Grenzen formulieren und einen Blick in eine mögliche Zukunft wagen. Jede dieser Ebenen hat etwas zur Gesamtklarheit beigetragen.

Was sich verändert hat, ist nicht nur der Umgang mit dem Konflikt, sondern auch Claudias Bild von sich selbst: als Frau, deren Bedürfnisse zählen und die weiß, was sie will und wie sie das vertritt.

 *Diese Case Study teile ich mit dem Einverständnis meiner Coachee - nur ihr Name wurde geändert.

Einblicke in meine Coaching-Praxis

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