Case Study Nora: Wie werde ich die Führungskraft, die ich sein möchte?

Nora ist Team Lead in einem Unternehmen im Umbruch. Ihr Alltag fühlt sich immer weniger nach Führung an. Irgendwann überlegt sie zu kündigen. Im Coaching zeigt sich: Die eigentliche Frage ist eine andere.

Kati Legge, systemische Coachin in München, mit einer Figur aus der Aufstellungsarbeit

Kati Legge

Systemische Coachin in München und online. Seit fast zehn Jahren begleite ich Frauen dabei, Klarheit zu gewinnen und ihren eigenen Weg zu gestalten. In meinen Coachings verbinde ich Tiefe mit Leichtigkeit und arbeite mit kreativen, erlebnisorientierten Methoden.

Kategorie

Case Study

Thema

Führung & Rollenklarheit

Jahr

Sitzungen

7

Methoden

Führungsrollenklärung, Glaubenssatzarbeit, Inneres Team, Biografiearbeit

Ausgangslage

Nora* ist Team Lead im Customer Service. Kurz vor dem Coaching wurde eine Restrukturierung ihres Unternehmens bekannt gegeben: ein Team aufgelöst, Aufgaben verlagert, neue Software, die den Alltag erschwert. Ihr Vorgesetzter ist kaum präsent, ihre Verbesserungsvorschläge verpuffen. Nora trägt viel Verantwortung und ist voller Energie für ihr Team. Doch statt zu führen, versinkt sie zunehmend im Operativen. Die Frustration wächst, bis sie irgendwann überlegt, ob sie kündigen soll.

Anliegen

Aus „Soll ich kündigen?" wurde „Wie lebe ich meine Führungsrolle wirksam?"

Kati Legge, systemische Coachin, in ihrem Coaching-Raum in München
Post-It-Karten mit Begriffen für ein Führungskräfte-Coaching

Nora wusste, wie gute Führung aussieht. Sie hatte Vorbilder, eine klare Haltung und echtes Interesse an den Menschen in ihrem Team. Was ihr fehlte, war das Gefühl, diese Rolle auch wirklich ausfüllen zu können. Der Alltag holte sie immer wieder ein. Ein zentraler Satz zu Beginn lautete: „Wir arbeiten so unfassbar uneffektiv." Darin steckte nicht nur Frustration, sondern auch eine hohe Leistungsorientierung und der Wunsch, wirklich etwas zu bewegen.

Das anfängliche Anliegen, ob sie kündigen soll, entwickelte sich im Verlauf der ersten Sitzungen zu einer tiefergehenden Frage: Wie kann ich meine Führungsrolle wirksam leben, auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind?

Führungsrollenklarheit

Ein erster Schritt war, Noras eigenes Führungsideal gemeinsam zu erkunden. Was macht Nora, wenn sie so führt, wie sie es sich wünscht? Welche Führungskräfte haben sie beeindruckt - und warum? Was braucht ihr Team von Nora? Aus diesen Fragen entstand ein konkretes, selbst formuliertes Bild, das sich deutlich von dem unterschied, woran sie sich bisher gemessen hatte.

Sichtbar wurde auch die Diskrepanz zwischen Ideal und Alltag: Etwa 70 Prozent ihrer Arbeitszeit entfiel auf operatives Tun, für echte Führungsarbeit blieb kaum Zeit. Diese Verschiebung zu benennen und zu beziffern, veränderte etwas: Aus einem diffusen Unbehagen wurde ein konkreter Entwicklungsauftrag. Eine wichtige Erkenntnis dabei: Je klarer Nora über ihre eigene Rolle ist, desto mehr Kontrolle und Ruhe erlebt sie. Rollenklarheit ist für sie nicht nur eine Führungsaufgabe, sondern auch eine Form von Selbstfürsorge.

„Wir arbeiten so unfassbar uneffektiv.”

Glaubenssatzarbeit

Im weiteren Verlauf verlagerte sich der Fokus von äußeren Rahmenbedingungen hin zu inneren Mustern. Denn die Blockaden lagen nicht nur im System, sondern auch in Überzeugungen, die sich über viele Jahre aufgebaut hatten: das Gefühl, sich beweisen zu müssen. Die Annahme, dass andere bereits zu viel zu tun haben. Die Sorge, nicht genügend Kenntnisse zu besitzen. Ein Perfektionismus-Anspruch, der selten zufrieden war.

Im Gespräch über die Herkunft dieser Überzeugungen wurden zwei biografische Stränge sichtbar, die sich gegenseitig verstärkt und das Selbstbild geprägt hatten, möglicherweise nicht gut genug zu sein, auch wenn die äußere Realität anderes zeigte.

Ein konkretes Erlebnis aus jüngerer Zeit wurde als Gegenbeweis zu diesen alten Mustern verankert: Als Nora nach einem Urlaub ins Büro zurückkehrte, umarmten sie mehrere Teammitglieder spontan. „Ich werde gemocht." Dieser Satz trug sie durch die folgenden Wochen.

Post-It-Karten mit Begriffen zu operativen und Führungsaufgaben

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Inneres Team

Im systemischen Coaching haben wir mit dem Inneren Team gearbeitet, einer Methode, die verschiedene innere Stimmen als eigenständige Anteile sichtbar macht und ihnen Raum gibt, wirklich gehört zu werden. Das schafft eine andere Qualität von Orientierung als reines Nachdenken.

Sieben Anteile mit sehr unterschiedlichen Perspektiven wurden bei Nora sichtbar. Eine Stimme war schnell zur Stelle, wenn etwas nicht funktionierte: „War das professionell genug? Bist du wirklich kompetent?“ Daneben zeigte sich eine neuere, noch leise Stimme, die eine ganz andere Frage stellte: „Ist die Kritik eigentlich berechtigt?" Dieser Unterschied machte etwas frei.

Was im Coaching deutlich wurde: Die antreibende, kritisierende Stimme hatte eine Absicht. Sie wollte schützen: vor Kritik und dem Gefühl, nicht zu genügen. Diese Erkenntnisse milderte Noras Blick auf diese Stimme und gab der ruhigeren Gegenstimme mehr Raum.

In der biografischen Tiefenarbeit wurde der Ursprung der antreibenden Stimme erkundet. Sie war nicht aus Bosheit entstanden, sondern aus der frühen Erfahrung, für das Richtige einzustehen und dafür Zugehörigkeit zu verlieren. Dieser Ursprung veränderte das Verhältnis zu ihr: Sie ist kein Feind, sondern eine Stimme, die damals schützen wollte und es heute noch tut. Aber auf eine Art, die heute nicht mehr passt.

„Wer bin ich als Führungskraft und wie möchte ich diese Rolle leben?”

Kati Legge gießt Wasser aus einer Karaffe in ein Glas
Kati Legge legt Post-It-Karten für die Coaching-Methode des Inneren Teams

Das Ergebnis

In der letzten Sitzung berichtete Nora: „Ich fühle mich jetzt freier." Der Umschwung kam nicht von außen, sondern aus einer inneren Verschiebung: dem tieferen Verstehen einer Stimme, die sie lange als Belastung erlebt hatte.

Zusammenfassung und Ausblick

Das Coaching mit Nora zeigt, was passiert, wenn die eigentliche Frage nicht die ist, die am Anfang gestellt wird. Aus „Soll ich kündigen?" wurde im Verlauf die tiefere Frage: Wer bin ich als Führungskraft und wie möchte ich diese Rolle wirklich leben? Für Nora war das ein Prozess in mehreren Schichten: das eigene Führungsideal klären, innere Blockaden benennen, biografische Muster erkunden, innere Stimmen hören und verstehen. Jede dieser Ebenen hat etwas zur Gesamtklarheit beigetragen. Am Ende hatte Nora kein anderes System, aber einen anderen Blick auf sich selbst als Führungsperson.

 *Diese Case Study teile ich mit dem Einverständnis meiner Coachee - nur ihr Name wurde geändert.

Einblicke in meine Coaching-Praxis

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